Wie lange brauchst du bis A2, B1 oder B2?
Die ehrliche Antwort ist länger, als Werbung suggeriert, und kürzer, als Entmutigte glauben. Dieser Rechner gibt dir eine Spanne, mit der du planen kannst, statt einer Zahl, die gut klingt.
Aktualisiert am 24. Juli 2026
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1. Vier Angaben
Trage ein, was realistisch ist, nicht was du dir vornimmst. Der häufigste Grund für enttäuschte Erwartungen ist eine zu optimistische Zeitangabe an dieser Stelle.
Warum nicht jede Sprache gleich lange dauert
Der grösste Einzelfaktor beim Zeitbedarf ist nicht deine Begabung, sondern der Abstand zwischen deiner Muttersprache und der Zielsprache. Für Deutschsprachige liegen Niederländisch und Englisch nah, romanische Sprachen etwas weiter, Türkisch oder Russisch deutlich weiter, und ostasiatische Sprachen am weitesten entfernt.
Der Unterschied ist erheblich. Zwischen einer nah verwandten und einer sehr fernen Sprache liegt beim selben Zielniveau ungefähr der Faktor vier. Wer Spanisch in zwei Jahren auf B2 bringt, braucht für Japanisch beim gleichen Einsatz eher sechs bis acht.
Diese Unterschiede entstehen an konkreten Stellen. Bei ferneren Sprachen ist der Wortschatz vollständig neu, weil es keine gemeinsamen Wurzeln gibt, an denen man sich festhalten kann. Die Satzstruktur folgt anderen Regeln, sodass Umdenken nötig ist statt Übersetzen. Und häufig kommt ein eigenes Schriftsystem dazu, das vor dem eigentlichen Lernen bewältigt werden will.
Der Sprung von B1 auf B2 ist der teuerste
Auffällig an der Rechnung ist, dass die Niveaus nicht gleich weit auseinanderliegen. Bis A2 geht es vergleichsweise zügig, weil du mit wenigen hundert Wörtern und der Gegenwartsform bereits vieles bewältigst. Der Weg von A2 zu B1 ist länger, und der von B1 zu B2 ist am längsten.
Der Grund liegt in der Art des Fortschritts. Am Anfang lernst du die häufigsten Wörter, und die decken einen grossen Teil der Alltagssprache ab. Je weiter du kommst, desto seltener sind die Wörter, die dir noch fehlen, und desto mehr Material musst du verarbeiten, um dieselbe Zahl an Neuem zu begegnen.
Praktisch heisst das zweierlei. Erstens: Erwarte, dass sich der Fortschritt ab etwa B1 langsamer anfühlt, obwohl du nicht schlechter lernst. Zweitens: Ab diesem Punkt bringt Menge mehr als Methode. Wer B2 will, muss viel lesen, viel hören und viel sprechen, und keine App verkürzt das nennenswert.
Wie du Lernzeit findest, ohne Zeit zu haben
Die häufigste Reaktion auf das Ergebnis lautet, dass so viel Zeit nicht vorhanden sei. Meistens stimmt das für gezielte Lernzeit am Schreibtisch und nicht für die Gesamtzeit, die sich einsetzen lässt.
Ein erheblicher Teil des Aufwands muss nicht wie Lernen aussehen. Der Weg zur Arbeit, das Kochen, das Joggen, der Abend vor dem Bildschirm. Wer Podcast, Musik und Serien in die Zielsprache verlagert, sammelt pro Woche mehrere Stunden, ohne zusätzliche Zeit aufzuwenden. Diese Stunden zählen voll, und für das Hörverstehen zählen sie sogar mehr als Lernmaterial.
Ein Beispiel: Vierzig Minuten Pendelweg an fünf Tagen ergeben über drei Stunden pro Woche, also rund 150 Stunden im Jahr. Das ist mehr als das Doppelte dessen, was zwanzig Minuten tägliches Üben einbringen, und es kostet dich keine Freizeit.
Was den Fortschritt tatsächlich beschleunigt
Drei Faktoren wirken stärker als die Wahl des Lernmittels, und alle drei kannst du steuern.
Der erste ist Regelmässigkeit. Wiederholung in kurzen Abständen haftet besser als lange Sitzungen mit grossen Lücken dazwischen. Sieben mal zwanzig Minuten schlagen zwei mal siebzig Minuten zuverlässig, obwohl die Gesamtzeit ähnlich ist.
Der zweite ist aktives Abrufen statt passiven Wiedererkennens. Eine Vokabel, die du aus dem Nichts produzieren musst, sitzt nach wenigen Wiederholungen. Dieselbe Vokabel in einer Auswahl mit vier Antworten anzuklicken, bringt einen Bruchteil davon. Deshalb beschleunigt Sprechen stärker als jede Übung.
Der dritte ist Material knapp über deinem Niveau. Zu leicht bringt nichts Neues, zu schwer führt zu Abbruch. Der wirksame Bereich ist der, in dem du etwa achtzig Prozent verstehst und dir den Rest erschliessen kannst.
Was diese Schätzung nicht leistet
Sie geht vom Nullpunkt aus und kennt deine Vorkenntnisse nicht. Sie berücksichtigt nicht, ob du bereits eine verwandte Sprache sprichst, was den Aufwand spürbar senkt. Und sie kann nicht wissen, ob du in einem Umfeld lebst, in dem die Zielsprache täglich vorkommt, was der grösste Beschleuniger überhaupt ist.
Nimm die Spanne deshalb als Planungsgrundlage, nicht als Versprechen. Wenn dir das Ergebnis zu lang erscheint, ist der produktivste nächste Schritt nicht, eine schnellere Methode zu suchen, sondern die wöchentliche Zeit zu erhöhen oder das Ziel anzupassen. Für Ferien reicht A2, und das ist in wenigen Monaten erreichbar.