Ist Italienisch schwer zu lernen?
Italienisch gilt vielen als die leichteste romanische Sprache für Deutschsprachige, und das ist gut begründet. Die Stellen, an denen es fordert, kommen erst später.
- Nein, Italienisch gehört für Deutschsprachige zu den leichtesten Sprachen und liegt auf unserer Skala bei 2 von 5. Die klare Aussprache ist der grösste Vorteil.
- Der Einstieg ist besonders leicht, weil Italienisch gesprochen wird, wie es geschrieben steht, und viele Wörter über Kultur und Küche vertraut sind.
- Später fordern die Verbformen, der Congiuntivo und die doppelten Konsonanten, die Bedeutung tragen. Keine dieser Hürden ist unüberwindbar.
Was Italienisch leicht macht
Für Deutschsprachige ist Italienisch besonders zugänglich, und mehrere Eigenschaften wirken vom ersten Tag an zusammen.
- Die klare Aussprache. Italienisch wird gesprochen, wie es geschrieben steht, mit reinen Vokalen und ohne stumme Buchstaben. Wer die wenigen Regeln kennt, liest jedes Wort korrekt vor. Das ist einer der grössten Vorteile überhaupt.
- Der vertraute Wortschatz. Über das Lateinische geteilt und zusätzlich aus Musik, Küche und Kultur bekannt. Viele Wörter versteht man, bevor man sie gelernt hat.
- Der melodische Klang, der vielen das Hören und Nachsprechen erleichtert und die Motivation hochhält.
- Der schnelle Einstieg in die Grammatik. Im Präsens kommt man rasch zu brauchbaren Sätzen, was früh motiviert und das Sprechen erleichtert.
Wo es später fordert
Italienisch ist leicht zu beginnen und an drei Stellen doch anspruchsvoll. Alle kommen erst nach dem Einstieg.
Die Verbformen sind zahlreich, mit vielen Zeiten und unregelmässigen Verben. Das ist kein Verständnisproblem, sondern Übungssache, und die Muster gehen mit Wiederholung ins Automatische über.
Der Congiuntivo, die italienische Entsprechung des Subjunktivs, drückt Wunsch, Zweifel und Meinung aus und hat im Deutschen keine genaue Entsprechung. Man versteht ihn früh und verwendet ihn sicher erst spät.
Und die doppelten Konsonanten tragen Bedeutung: Ein Wort mit einfachem und eines mit doppeltem Konsonanten können Verschiedenes heissen. Das verlangt beim Hören und Schreiben Aufmerksamkeit, wird mit Übung aber zur Gewohnheit.
Das grammatische Geschlecht
Wie alle romanischen Sprachen kennt Italienisch das grammatische Geschlecht: Jedes Substantiv ist männlich oder weiblich, und Artikel und Adjektive richten sich danach.
Für Deutschsprachige ist das insofern vertraut, als das Deutsche selbst Geschlechter kennt, nur sind sie nicht dieselben. Man muss das Geschlecht deshalb mit jedem Wort mitlernen, kann sich aber oft an der Endung orientieren, weil Italienisch hier regelmässiger ist als das Deutsche.
Weil es keine Fälle gibt, ist das Geschlecht weniger folgenreich als im Deutschen. Ein falsches Geschlecht stört die Verständigung selten, weshalb es eine Feinheit ist, die man mit der Zeit verbessert, und keine Einstiegshürde.
Wie schwer im Vergleich
Auf unserer fünfstufigen Skala liegt Italienisch bei 2 von 5, also gut machbar, und gilt vielen als die zugänglichste romanische Sprache für Deutschsprachige. Es liegt gleichauf mit Spanisch und Englisch und ist etwas leichter als Französisch.
Der Unterschied zu Französisch liegt fast nur in der Aussprache, die bei Italienisch dem Schriftbild folgt. Der Unterschied zu den schweren Sprachen wie Japanisch oder Arabisch ist gewaltig, weil Italienisch weder ein neues Schriftsystem noch Töne noch Fälle kennt.
Für die Motivation zählt der Verlauf: Italienisch belohnt Anfänger schnell und wird ab B1 zäher, wie alle romanischen Sprachen. Wer das weiss, hält die Mitte durch und deutet die Verlangsamung nicht als eigenes Versagen.
So kommst du an den schweren Stellen vorbei
Weil die Hürden erst nach dem Einstieg kommen, lohnt es sich, sie gezielt anzugehen, sobald sie auftauchen.
Gegen die Verbformen und den Congiuntivo hilft, sie in ganzen Sätzen zu lernen statt in Tabellen, und viel Kontakt mit Sätzen, in denen sie vorkommen. Der Congiuntivo folgt oft auf bestimmte Auslöser, und wer diese wiedererkennt, verwendet die Form mit der Zeit richtig.
Gegen die doppelten Konsonanten hilft das Ohr: viel Hören und bewusstes Nachsprechen. Der Unterschied zwischen einfachem und doppeltem Konsonanten ist hörbar, und wer ihn oft hört, übernimmt ihn. Die Tessiner Sender liefern dafür kostenloses Material in der Schweizer Variante.