Welche Sprache ist am einfachsten zu lernen?
Die ehrliche Antwort hängt von deiner Erstsprache ab. Für Deutschsprachige ergibt sich eine klare Reihenfolge, und der Unterschied zwischen der leichtesten und der schwersten Sprache ist gewaltig.
- Für Deutschsprachige sind die nah verwandten und die romanischen Sprachen am einfachsten: Englisch, Italienisch und Spanisch führen die Liste an.
- Am aufwendigsten sind Japanisch, Chinesisch und Arabisch, die bis zum selben Niveau etwa das Vierfache an Stunden brauchen.
- Die Rangfolge misst den Aufwand für Deutschsprachige. Für Sprechende anderer Erstsprachen sieht sie anders aus, weil die Verwandtschaft entscheidet.
Warum die Verwandtschaft alles entscheidet
Es gibt keine Sprache, die für alle am einfachsten ist. Wie schnell du eine Sprache lernst, hängt vor allem davon ab, wie nah sie deiner Erstsprache steht. Je mehr Wortschatz, Grammatik und Laute geteilt werden, desto weniger musst du neu aufbauen.
Für Deutschsprachige heisst das: Am leichtesten sind die anderen germanischen Sprachen, weil sie mit dem Deutschen die Wurzel teilen. Danach kommen die romanischen Sprachen, die über das Lateinische viel gemeinsamen Wortschatz haben und deren Grammatik zwar anders, aber vertraut aufgebaut ist. Deutlich mehr Aufwand verlangen die slawischen Sprachen mit ihren Fällen, und am meisten die Sprachen mit fremder Schrift, fremden Lauten und fremder Struktur.
Die folgende Rangfolge ordnet die Sprachen dieser Seite nach dem Aufwand für Deutschsprachige, gemessen an den ungefähren Stunden bis B2. Die Zahlen sind Richtwerte mit grosser individueller Streuung, aber die Reihenfolge ist stabil.
Die leichteste Gruppe: gut machbar
Diese Sprachen liegen für Deutschsprachige im zugänglichen Bereich, mit rund 400 bis 750 Stunden bis B2. Wer schnell Erfolge sehen will, findet sie hier.
- Englisch, rund 400 bis 600 Stunden: verwandter Wortschatz, keine Fälle, kein grammatisches Geschlecht. Dazu überall im Alltag zu üben. Die zugänglichste Sprache überhaupt.
- Italienisch, rund 550 bis 700 Stunden: klare Aussprache, die dem Schriftbild folgt, vertrauter Wortschatz. Vielen die leichteste romanische Sprache. Als Landessprache mit dem Tessin nah.
- Spanisch, rund 550 bis 700 Stunden: regelmässige Aussprache, schneller Einstieg, riesiges kostenloses Angebot. Wird ab B1 zäher wie alle romanischen Sprachen.
Die mittlere Gruppe: mit etwas mehr Aufwand
Diese Sprachen sind für Deutschsprachige machbar, verlangen aber je einen Bereich mit spürbarem Zusatzaufwand.
- Französisch, rund 600 bis 750 Stunden: vertrauter Wortschatz, aber die Aussprache mit Nasalvokalen und Bindung fordert. Beruflich in der Schweiz besonders wertvoll.
- Portugiesisch, rund 600 bis 750 Stunden: grammatisch wie die anderen romanischen Sprachen, aber das Hörverstehen der europäischen Variante ist die Hürde. Für Spanischkundige deutlich leichter.
- Deutsch als Fremdsprache, rund 700 bis 900 Stunden: Fälle, Geschlecht und Satzbau fordern, dazu in der Deutschschweiz der Dialekt als zweite Aufgabe.
Die anspruchsvolle Gruppe: fremde Struktur
Ab hier wird der Aufwand deutlich grösser, weil die Grammatik grundlegend anders ist oder eine neue Schrift dazukommt. Rund 900 bis 1100 Stunden bis B2.
- Türkisch, rund 900 bis 1100 Stunden: fremde, aber sehr regelmässige Struktur. Zäher Anfang, danach zügig, weil es kaum Ausnahmen gibt.
- Russisch, rund 1100 Stunden: sechs Fälle und der Verbalaspekt fordern, die kyrillische Schrift dagegen ist in Tagen gelernt.
- Serbisch und Kroatisch, rund 1100 Stunden: sieben Fälle und Verbalaspekt, dafür leichte, lautgetreue Schrift. In der Schweiz oft ein Umfeld zum Üben.
- Albanisch, ohne belastbare Richtwerte: eigenständiger Sprachzweig, kaum Lernmaterial, weshalb der Weg über Unterricht führt.
Die aufwendigste Gruppe: ein mehrjähriges Vorhaben
Diese Sprachen brauchen bis zum selben Niveau etwa das Vierfache der leichtesten Gruppe, rund 1800 bis 2200 Stunden. Kein Bereich lässt sich aus dem Deutschen ableiten.
- Japanisch, rund 1800 bis 2200 Stunden: drei Schriftsysteme, Höflichkeitsstufen und fremder Satzbau. Aussprache und Grammatik dagegen machbar.
- Chinesisch, rund 1800 bis 2200 Stunden: Töne und tausende Zeichen, dafür eine der einfachsten Grammatiken überhaupt.
- Koreanisch, rund 1800 bis 2200 Stunden: die leichteste Schrift Ostasiens, aber fremder Satzbau und Höflichkeitsstufen.
- Arabisch, rund 1800 bis 2200 Stunden: Doppelstruktur aus Hochsprache und Dialekt, Schrift ohne kurze Vokale, dafür ein logisches Wurzelsystem.
Was das für deine Wahl heisst
Die Rangfolge ist eine Orientierung, keine Empfehlung. Die einfachste Sprache ist nicht automatisch die richtige, denn die beste Sprache ist die, die du tatsächlich brauchst oder liebst, weil nur dann die nötige Ausdauer da ist.
Zwei praktische Schlüsse lassen sich aber ziehen. Erstens: Wer schnelle Erfolge und ein Gefühl von Fortschritt sucht, etwa als erste Fremdsprache nach der Schule, ist mit Englisch, Italienisch oder Spanisch am besten bedient. Zweitens: Wer sich eine der aufwendigen Sprachen vornimmt, sollte das als mehrjähriges Vorhaben planen und nicht mit den Erwartungen einer romanischen Sprache herangehen, weil sonst die Enttäuschung im zweiten Jahr zum Abbruch führt.
Und ein Vorteil, der die Rangfolge relativiert: Wer bereits eine Sprache einer Gruppe kann, lernt die nächste derselben Gruppe deutlich schneller. Eine zweite romanische Sprache nach Spanisch oder eine zweite slawische nach Russisch kostet nur einen Bruchteil der Ausgangszeit.