Ist Englisch schwer zu lernen?
Für Deutschsprachige ist Englisch eine der zugänglichsten Sprachen überhaupt. Das heisst nicht mühelos, sondern nur, dass die Hürden woanders liegen, als die meisten erwarten.
- Nein, Englisch gehört für Deutschsprachige zu den leichtesten Fremdsprachen. Der Wortschatz überschneidet sich stark, und es gibt keine Fälle und kein grammatisches Geschlecht.
- Der Einstieg ist leicht, das hohe Niveau anspruchsvoll. Aussprache, Rechtschreibung, phrasal verbs und Zeitformen trennen ein gutes von einem sehr guten Englisch.
- Auf der fünfstufigen Skala liegt Englisch bei 2 von 5, also gut machbar. Nur sehr nah verwandte Sprachen wie Niederländisch sind ähnlich zugänglich.
Was Englisch leicht macht
Drei Dinge machen den Einstieg für Deutschsprachige ungewöhnlich sanft, und sie wirken alle von der ersten Woche an.
- Der Wortschatz. Englisch und Deutsch teilen tausende Wörter mit gemeinsamer germanischer Wurzel, dazu kommt der grosse gemeinsame Bestand aus dem Lateinischen. Du verstehst beim Lesen oft mehr, als du gelernt hast.
- Keine Fälle. Das englische Substantiv verändert sich nicht nach seiner Rolle im Satz. Der Kampf mit Dativ und Akkusativ, der andere Sprachen prägt, entfällt vollständig.
- Kein grammatisches Geschlecht. Es gibt nur ein the. Du musst zu keinem Wort das Geschlecht mitlernen, was den Wortschatzaufbau deutlich beschleunigt.
- Einfache Gegenwart. Die Verbformen sind im Präsens fast unverändert, nur die dritte Person Singular bekommt ein s. Das ist in einer Nachmittagsstunde verstanden.
Wo es trotzdem hakt
Englisch ist leicht zu beginnen und schwer zu vollenden. Genau die Punkte, die Anfänger nicht stören, trennen später ein solides von einem wirklich guten Englisch.
Die Aussprache und die Rechtschreibung passen nicht zusammen. Anders als im Deutschen sagt dir das Schriftbild oft nicht, wie ein Wort klingt, und dieselbe Buchstabenfolge wird verschieden ausgesprochen. Das muss Wort für Wort gehört und geübt werden, nicht abgeleitet.
Die phrasal verbs sind die eigentliche Fortgeschrittenenhürde. Aus einem Verb und einer kleinen Partikel entsteht eine neue Bedeutung, die man dem Verb nicht ansieht, und davon gibt es tausende. Sie sind der Grund, weshalb Muttersprachler oft schwerer zu verstehen sind als ein Lehrbuch.
Die Zeitformen sind zahlreicher und feiner als im Deutschen. Die Verlaufsform und die verschiedenen Vergangenheiten tragen Bedeutungsunterschiede, die das Deutsche anders löst, und sie sitzen erst nach viel Kontakt sicher.
Die falschen Freunde
Eine eigene Kategorie, weil sie gerade wegen der Ähnlichkeit gefährlich ist. Manche englischen Wörter sehen aus wie ein deutsches und bedeuten etwas anderes.
Bekannte Beispiele sind become, das nicht bekommen heisst, sondern werden, oder actually, das nicht aktuell heisst, sondern eigentlich. Gerade weil das Wort vertraut wirkt, prüft man es nicht nach, und genau darin liegt die Falle.
Die gute Nachricht: Es sind überschaubar viele, und sie sind bekannt. Wer die zwanzig häufigsten falschen Freunde einmal bewusst gelernt hat, umgeht die meisten peinlichen Verwechslungen.
Wie schwer im Vergleich
Auf unserer fünfstufigen Skala, auf der Spanisch und Italienisch bei 2 liegen und Japanisch bei 5, steht Englisch ebenfalls bei 2, also gut machbar. Es ist damit eine der zugänglichsten Sprachen für Deutschsprachige, gleichauf mit den leichteren romanischen Sprachen.
Der Unterschied zu Spanisch oder Italienisch liegt weniger im Aufwand als in der Verteilung: Bei Englisch ist der Anfang noch leichter, das sehr hohe Niveau aber wegen Aussprache und Idiomatik anspruchsvoller. Wer nur solide verstanden werden will, kommt bei Englisch am schnellsten ans Ziel.
Der grösste praktische Vorteil steht in keiner Schwierigkeitstabelle: Keine Sprache lässt sich im Alltag so leicht und so kostenlos üben. Das verschiebt die effektive Schwierigkeit weiter nach unten, als die reine Grammatik nahelegt.
Der schnellste Weg an den schweren Stellen vorbei
Weil bei Englisch der Einstieg leicht und das hohe Niveau anspruchsvoll ist, lohnt es sich, die drei bekannten Fortgeschrittenenhürden gezielt anzugehen, statt zu hoffen, dass sie sich von selbst auflösen.
Gegen die Aussprache hilft nur Hören und Nachsprechen. Wer kurze Ausschnitte von Muttersprachlern mitspricht, übernimmt Klang und Betonung, die sich aus der Schrift nicht ableiten lassen. Das ist wirksamer als jede Ausspracheregel.
Gegen die phrasal verbs hilft, sie im Zusammenhang zu sammeln statt in Listen. Ein ganzer Satz aus einer Serie, in dem das Verb vorkommt, bleibt haften, weil eine Szene daran hängt. Eine isolierte Liste von hundert phrasal verbs vergisst man wieder.
Und gegen die Zeitformen hilft Menge statt Regeln: Wer viel liest und hört, entwickelt ein Gefühl dafür, welche Form wann klingt, lange bevor er die Regel benennen könnte. Das ist genau der Weg, den Muttersprachler als Kinder gegangen sind.