Was kostet es, Englisch zu lernen?
Bei kaum einer Sprache klaffen der mögliche und der übliche Aufwand so weit auseinander. Englisch lässt sich vollständig kostenlos lernen, und trotzdem geben viele Geld für Dinge aus, die sie nicht brauchen.
- Englisch ist die Sprache mit dem grössten kostenlosen Angebot überhaupt. Bis zu einem soliden Niveau kommt man ohne einen einzigen Franken aus.
- Bezahlen lohnt sich für genau zwei Dinge: regelmässige Sprechzeit mit Korrektur und, falls nötig, ein anerkanntes Zertifikat für Studium oder Bewerbung.
- Wer doch eine App will, vergleicht den Preis über 24 Monate statt über den Aktionspreis und beachtet bei Abrechnung in Euro oder Dollar die Fremdwährungsgebühr.
Wie weit du gratis kommst
Bei Englisch ist die ehrliche Antwort: sehr weit, bis zu einem sicheren Alltags- und Berufsniveau. Kein anderes Fach hat ein so grosses kostenloses Angebot, weil Englisch weltweit produziert und konsumiert wird.
Das Rohmaterial ist praktisch unbegrenzt und gratis: Serien und Filme im Original, Millionen Stunden Podcasts und Videos, Nachrichten in einfachem Englisch, Bücher aus der Bibliothek. Für den strukturierten Einstieg gibt es kostenlose Kurse und die Gratisstufen der grossen Apps, die für die ersten Monate tragen.
Die Lücke, die gratis bleibt, ist dieselbe wie bei jeder Sprache: Gesprächszeit mit verlässlicher Korrektur. Tandempartnerschaften kosten nur Zeit und liefern das Gespräch, aber niemand korrigiert dich dort systematisch. Genau dort lohnt sich später der einzige sinnvolle Ausgabeposten.
Wofür sich Bezahlen tatsächlich lohnt
Es gibt zwei Fälle, in denen Geld gut angelegt ist, und beide haben nichts mit einer weiteren App zu tun.
Der erste ist Sprechzeit. Wer verstehen kann und sich nicht traut, braucht einen Menschen, der zuhört und korrigiert. Onlineunterricht über internationale Marktplätze ist dafür günstig, und weil Englisch überall unterrichtet wird, ist die Auswahl an Lehrpersonen riesig und die Preise sind niedrig. Zwei halbe Stunden pro Woche wirken stärker als jede Vollmitgliedschaft.
Der zweite ist gezielte Prüfungsvorbereitung, wenn du ein Zertifikat brauchst. Das ist keine Sprach-, sondern eine Prüfungstechnikfrage, und dafür lohnt sich ein spezialisierter Kurs oder Einzelunterricht in den Wochen davor.
Was sich selten lohnt, ist ein mehrjähriges App-Abo für eine Sprache, die dir überall gratis begegnet. Wer es trotzdem will, sollte den Preis über 24 Monate rechnen, weil eine Sprache länger dauert als jede Aktionsfrist.
Was ein Zertifikat kostet
Für Englisch gibt es mehrere anerkannte Nachweise, und ihre Kosten liegen deutlich über denen einer App, weil dahinter eine geprüfte Ablage steht.
Die bekanntesten sind IELTS und TOEFL für Studium und Auswanderung sowie die Cambridge-Zertifikate für den Beruf. Die Prüfungsgebühren bewegen sich im mittleren dreistelligen Frankenbereich, und die Vorbereitung kommt zeitlich und je nach Weg auch finanziell dazu.
Der wichtigste Rat dazu ist kein Preis, sondern eine Reihenfolge: Kläre zuerst bei der Stelle, die den Nachweis verlangt, also der Hochschule, dem Arbeitgeber oder der Behörde, welches Zertifikat in welcher Höhe anerkannt wird, und melde dich erst danach an. Ein Nachweis, der im konkreten Fall nicht zählt, ist mehrere hundert Franken und Wochen Vorbereitung, die nichts bringen.
Die günstigste sinnvolle Zusammenstellung
Wer wenig ausgeben und trotzdem zügig vorankommen will, kombiniert am besten so.
- Gratis für alles Aufnehmende: Serien im Original, Podcasts, das Handy auf Englisch, Bücher aus der Bibliothek. Das deckt Wortschatz und Hörverstehen vollständig ab.
- Ein kleines Budget nur für Sprechzeit: ein paar Onlinelektionen im Monat mit einer Lehrperson, die korrigiert. Das ist der eine Posten ohne kostenlosen Ersatz.
- Ein selbst geführtes Wiederholungssystem statt eines Abos: gefüttert mit den Wörtern, die dir im Gespräch gefehlt haben, kostenlos und wirksamer als jede fertige Liste.
- Nur bei Bedarf: gezielte Prüfungsvorbereitung in den Wochen vor einem Zertifikat, und erst nach Rückfrage bei der verlangenden Stelle.
Versteckte Kosten, auf die du achten solltest
Wenn du dich doch für ein bezahltes Angebot entscheidest, entstehen die eigentlichen Kosten oft nicht dort, wo der beworbene Preis steht. Drei Posten übersieht man leicht.
Erstens die automatische Verlängerung. Fast alle Abo-Anbieter locken mit einem günstigen ersten Zeitraum und verlängern danach zum deutlich höheren regulären Satz. Der einzige faire Vergleichswert ist der Durchschnitt über 24 Monate, weil man realistisch so lange lernt.
Zweitens die Fremdwährungsgebühr. Rechnet ein Anbieter in Euro oder Dollar ab, erheben viele Schweizer Karten ein bis zwei Prozent Aufschlag, der auf keiner Preisseite steht, sondern erst auf deiner Kartenabrechnung erscheint.
Drittens ungenutzte Zeit. Ein Abo, das du zu dreissig Prozent nutzt, kostet effektiv mehr als das Dreifache des ausgewiesenen Wochenpreises. Bei einer Sprache, die dir überall gratis begegnet, ist das Risiko der Nichtnutzung besonders hoch, weshalb ein Monatsabo oft die ehrlichere Wahl ist als ein Jahresvertrag.