Ist Französisch schwer zu lernen?
Französisch gilt als elegant und als schwer, und nur der zweite Teil ist ein Missverständnis. Für Deutschsprachige ist es gut machbar, mit einer klaren Hauptschwierigkeit.
- Französisch ist für Deutschsprachige mittelschwer und liegt auf unserer Skala bei 3 von 5. Der Wortschatz ist vertraut, die eine echte Hürde ist die Aussprache.
- Nasalvokale, stumme Endbuchstaben und die Bindung zwischen Wörtern machen gesprochenes Französisch anfangs schwer verständlich. Das braucht viel Hören, keine Regeln.
- Grammatisch fordern vor allem die Verbformen und der Subjonctif. Der Einstieg ist trotzdem zugänglich, weil so viele Wörter bekannt sind.
Die eine echte Hürde: die Aussprache
Wenn Französisch als schwer gilt, dann fast immer wegen der Aussprache, und das ist berechtigt. Sie ist der Teil, der Deutschsprachige am meisten fordert und am längsten braucht.
Drei Dinge kommen zusammen. Die Nasalvokale gibt es im Deutschen nicht und sie tragen Bedeutung. Viele Endbuchstaben werden geschrieben, aber nicht gesprochen, weshalb Schriftbild und Klang auseinanderliegen. Und die Bindung verschmilzt das Ende eines Wortes mit dem Anfang des nächsten, sodass mehrere Wörter wie eines klingen.
Das erklärt eine typische Erfahrung: Man liest Französisch besser, als man es versteht, wenn Muttersprachler sprechen. Die Lösung ist kein Regelwerk, sondern Menge an Hörmaterial von Anfang an und, wo möglich, Nachsprechen kurzer Ausschnitte, um Klang und Melodie zu übernehmen.
Was leichter ist als sein Ruf
Gegen die Aussprache steht eine Reihe von Erleichterungen, die den Einstieg für Deutschsprachige angenehm machen.
- Der Wortschatz ist doppelt vertraut. Über das Lateinische teilt Französisch viel mit anderen europäischen Sprachen, und über die Jahrhunderte sind zahllose französische Wörter ins Deutsche und Englische gewandert. Du verstehst beim Lesen oft mehr, als du gelernt hast.
- Die Schrift ist vertraut. Es gibt kein neues Alphabet, nur einige Akzente, deren Funktion schnell verstanden ist.
- Die Satzstellung ähnelt der deutschen genug, um am Anfang keine grosse Umstellung zu verlangen. Subjekt, Verb, Objekt in der Grundreihenfolge ist vertraut.
- Und das Leseverstehen kommt früh, weil so viele Wörter erkennbar sind. Das motiviert, weil sich schnell ein Gefühl von Verständnis einstellt.
Wo die Grammatik fordert
Neben der Aussprache gibt es zwei grammatische Bereiche, die Zeit brauchen, aber keiner davon ist unüberwindbar.
Die Verbformen sind zahlreich. Französisch konjugiert stärker als das Englische, mit vielen Zeiten und unregelmässigen Verben. Das ist Übungssache und kommt mit Wiederholung, nicht mit einem Trick.
Der Subjonctif ist die Form, die Fortgeschrittene beschäftigt. Er drückt Wunsch, Zweifel und Notwendigkeit aus und hat im Deutschen keine genaue Entsprechung. Man versteht ihn früh und verwendet ihn sicher erst spät, und das ist normal. Für die Verständigung ist er nicht kritisch, für ein gepflegtes Französisch schon.
Das grammatische Geschlecht schliesslich muss wie in allen romanischen Sprachen mit jedem Wort mitgelernt werden, ist aber weniger folgenreich als im Deutschen, weil es keine Fälle gibt.
Wie schwer im Vergleich
Auf unserer fünfstufigen Skala liegt Französisch bei 3 von 5, also mittelschwer. Es ist damit etwas anspruchsvoller als Spanisch und Italienisch, die bei 2 stehen, und deutlich zugänglicher als Russisch, Arabisch oder Japanisch.
Der Unterschied zu den leichteren romanischen Sprachen liegt fast ausschliesslich in der Aussprache und im Hörverstehen. Wer diese Hürde bewusst angeht, verschiebt die effektive Schwierigkeit näher an Spanisch heran.
Für die Motivation zählt ein Schweizer Vorteil, der in keiner Tabelle steht: Kaum eine Sprache lohnt sich hier beruflich so unmittelbar. Bundesverwaltung, Versicherungen, Pharma und Industrie arbeiten über die Sprachgrenze, und in vielen Inseraten ist Französisch auf B2 der übliche Anspruch.
So nimmst du der Aussprache ihren Schrecken
Weil die Aussprache die eine echte Hürde ist, lohnt es sich, sie gezielt anzugehen, statt zu hoffen, dass sie sich nebenbei löst.
Der wirksamste Weg ist das Mitsprechen kurzer Aufnahmen, bei dem du fast gleichzeitig mit einer Stimme sprichst, ohne über die Form nachzudenken. Das trainiert Klang, Melodie und die Bindung als Bewegungsablauf, den man nicht erklären, aber nachahmen kann.
Der zweite Weg ist viel Hören ohne Anspruch auf vollständiges Verstehen. Zwanzig Minuten täglich nebenbei gewöhnen das Ohr an Tempo und Verschleifungen, lange bevor du jedes Wort kennst. Für die Schweiz sind die Sender aus der Romandie dafür die beste und kostenlose Quelle, weil sie zugleich die richtige Variante liefern.