Ist Arabisch schwer zu lernen?
Arabisch ist für Deutschsprachige anspruchsvoll, und die Schwierigkeit steckt an mehreren Stellen zugleich. An einer aber ist Arabisch überraschend systematisch.
- Ja, Arabisch gehört zu den anspruchsvollsten Sprachen für Deutschsprachige und liegt auf unserer Skala bei 5 von 5.
- Gefordert sind die Doppelstruktur aus Hochsprache und Dialekt, die Schrift ohne kurze Vokale und die Verbmorphologie. Kein Bereich lässt sich aus dem Deutschen ableiten.
- Überraschend logisch ist das Wurzelsystem: Aus einer Wurzel entstehen nach festen Mustern ganze Wortfamilien, was den Wortschatzaufbau erleichtert.
Was Arabisch schwer macht
Der Ruf von Arabisch als sehr schwerer Sprache ist berechtigt, und die Schwierigkeit verteilt sich auf mehrere Bereiche, die man einzeln kennen sollte.
- Die Doppelstruktur. Hocharabisch für Schrift und formelle Rede und die regional stark verschiedenen Dialekte für den Alltag existieren nebeneinander. Man muss sich entscheiden, welche man lernt, und im Idealfall lernt man beide nacheinander.
- Die Schrift. 28 Buchstaben, von rechts nach links, mit Formen, die je nach Position wechseln. Vor allem: Kurze Vokale werden nicht geschrieben, weshalb man das Wort kennen muss, um es zu lesen.
- Die Verbmorphologie. Es gibt zahlreiche Verbstämme mit je eigener Bedeutungsverschiebung, mehr Formen als im Deutschen.
- Die Laute. Arabisch hat Laute, die es im Deutschen nicht gibt und die ohne Korrektur schwer richtig zu treffen sind.
Das Wurzelsystem, die logische Seite
Gegen die schweren Bereiche steht ein System, das überraschend systematisch ist und Deutschsprachigen entgegenkommt, sobald sie es verstanden haben.
Fast jedes Wort baut auf einer Wurzel aus meist drei Konsonanten auf, die eine Grundbedeutung trägt. Aus dieser Wurzel entstehen nach festen Mustern ganze Wortfamilien: das Verb, der Täter, der Ort, das Werkzeug, das Ergebnis. Wer Wurzel und Muster kennt, kann die Bedeutung unbekannter Wörter oft erschliessen.
Das ist beim Wortschatzaufbau ein grosser Vorteil, der genau dort wirkt, wo andere Sprachen zäh werden. Während man anderswo jedes seltene Wort einzeln lernt, bekommt man hier ab einem gewissen Punkt ganze Gruppen auf einmal. Diese innere Logik ist der versöhnliche Teil einer sonst fordernden Sprache.
Die Schrift, genauer betrachtet
Die Schrift verdient eine eigene Betrachtung, weil ihre Schwierigkeit an einer unerwarteten Stelle liegt.
Das Alphabet selbst ist in drei bis sechs Wochen lesbar. Dass die meisten Buchstaben ihre Form je nach Position ändern, klingt nach viel Auswendiglernen und ist in der Praxis überschaubar, weil die Grundform erkennbar bleibt.
Die eigentliche Hürde ist, dass kurze Vokale im normalen Schriftbild fehlen. Ein Text besteht aus Konsonantengerüsten, und man muss das Wort kennen, um es überhaupt aussprechen zu können. Deshalb ist Lesen am Anfang anstrengend und langsam, und flüssiges Lesen stellt sich erst ein, wenn der Wortschatz gross genug ist. Das ist keine Frage des Fleisses, sondern die Eigenart dieser Schrift.
Wie schwer im Vergleich
Auf unserer fünfstufigen Skala liegt Arabisch bei 5 von 5, im höchsten Aufwandsbereich, zusammen mit Japanisch, Chinesisch und Koreanisch. Es ist damit deutlich fordernder als die europäischen Sprachen.
Der Unterschied zu den ostasiatischen Sprachen: Arabisch hat keine Töne wie Chinesisch und kein zweites Silbensystem wie Japanisch, dafür die Doppelstruktur aus Hochsprache und Dialekt, die es einzigartig macht. Diese Doppelstruktur ist die Besonderheit, die Arabisch von allen anderen schweren Sprachen abhebt.
Für die Motivation zählt: Der Aufwand ist hoch, aber das Wurzelsystem gibt der Sprache eine innere Ordnung, die mit der Zeit trägt. Wer die Doppelstruktur früh klärt und die Schrift hinter sich bringt, arbeitet danach in einem System, das logischer ist, als der erste Eindruck vermuten lässt.
So gehst du die Schwierigkeit an
Weil die Schwierigkeit an mehreren Stellen zugleich sitzt, ist die Reihenfolge besonders wichtig.
Kläre zuerst die Dialektfrage, bevor du irgendetwas kaufst, denn sie bestimmt dein gesamtes Material. Lern danach die Schrift in den ersten Wochen, auch wenn du vor allem sprechen willst, weil du sonst dauerhaft auf Umschrift angewiesen bleibst.
Nimm früh eine Lehrperson dazu, weil das Selbstlernmaterial besonders für Dialekte dünn ist und die fremden Laute Korrektur brauchen. Und organisiere deinen Wortschatz nach Wurzeln statt alphabetisch, weil das den grössten strukturellen Vorteil der Sprache nutzt und den Aufbau beschleunigt.