Ist Japanisch schwer zu lernen?
Japanisch ist für Deutschsprachige anspruchsvoll, aber nicht in jeder Hinsicht. Die Schwierigkeit steckt in konkreten Bereichen, und an anderen ist Japanisch leichter, als sein Ruf vermuten lässt.
- Ja, Japanisch gehört zu den anspruchsvollsten Sprachen für Deutschsprachige und liegt auf unserer Skala bei 5 von 5. Die Schrift ist der Hauptgrund.
- Drei Schriftsysteme, ein fremder Satzbau und die Höflichkeitsstufen fordern am meisten. Sie machen Japanisch zu einem mehrjährigen Vorhaben.
- Leichter als erwartet sind Aussprache und Grammatik: keine Töne, kein Geschlecht, keine Artikel, regelmässige Verben und eine einfache Lautstruktur.
Was Japanisch schwer macht
Der Ruf von Japanisch als sehr schwerer Sprache stützt sich auf drei Bereiche, und es lohnt sich, sie einzeln zu kennen, statt sich diffus überfordert zu fühlen.
- Die Schrift. Japanisch nutzt drei Systeme nebeneinander: die zwei Silbenschriften Hiragana und Katakana, in Wochen gelernt, und die Kanji, rund zweitausend Zeichen mit je mehreren Lesungen für einen erwachsenen Lesestand. Das ist der grösste und langwierigste Teil.
- Der Satzbau. Das Verb steht am Ende, und die Rollen im Satz werden durch angehängte Partikel markiert statt durch die Wortstellung. Das ist konsequent, aber fremd und verlangt am Anfang ein Umdenken.
- Die Höflichkeitsstufen. Die Verbform und der Wortschatz zeigen das Verhältnis zum Gegenüber an. Wer die falsche Stufe wählt, wirkt distanziert oder unangemessen vertraut.
- Die Zählwörter. Beim Zählen richtet sich das Wort nach der Art des Gezählten, ähnlich wie im Deutschen zwei Blatt Papier, nur systematischer und umfangreicher.
Was leichter ist als sein Ruf
Gegen die schweren Bereiche steht eine Reihe von Eigenschaften, die Japanisch zugänglicher machen, als der Ruf erwarten lässt, und die den Einstieg angenehm gestalten.
Die Aussprache ist einfach. Japanisch hat wenige, klare Laute, keine Töne und eine regelmässige Silbenstruktur. Deutschsprachige werden schnell verstanden, weil die Laute vertraut oder leicht zu treffen sind. Das ist ein grosser Unterschied zum Chinesischen mit seinen Tönen.
Die Grammatik ist in wichtigen Punkten schlank: kein grammatisches Geschlecht, keine Artikel, kein Plural im europäischen Sinn und regelmässige Verben mit wenigen Ausnahmen. Wer die fremde Logik des Satzbaus einmal verstanden hat, wendet sie verlässlich an, weil sie kaum Ausnahmen kennt.
Warum man früher spricht als liest
Eine Besonderheit von Japanisch ist, dass Sprechen und Lesen weit auseinanderliegen, und das prägt, wie sich die Schwierigkeit anfühlt.
Weil die Aussprache leicht ist und die Grundgrammatik machbar, kann man relativ früh einfache Gespräche führen. Das Lesen dagegen hängt an den Kanji, die über Jahre aufgebaut werden. Es ist deshalb normal, sich mündlich schon zurechtzufinden und einen Text noch mühsam entziffern zu müssen.
Für Lernende ist das eine gute Nachricht: Wer vor allem sprechen und verstehen will, erreicht ein brauchbares Niveau deutlich schneller, als der Ruf der Sprache vermuten lässt. Die volle Schwierigkeit von Japanisch entfaltet sich erst, wenn man auch schriftlich sicher sein will.
Wie schwer im Vergleich
Auf unserer fünfstufigen Skala liegt Japanisch bei 5 von 5, also im höchsten Aufwandsbereich, zusammen mit Chinesisch und Arabisch. Es ist damit deutlich fordernder als die europäischen Sprachen, die bei 2 bis 4 liegen.
Der Unterschied zu Chinesisch liegt in der Verteilung: Japanisch fordert mit drei Schriftsystemen und Höflichkeitsstufen, hat aber keine Töne. Chinesisch hat nur ein Schriftsystem und eine sehr einfache Grammatik, dafür die Töne. Beide sind insgesamt ähnlich aufwendig, nur an verschiedenen Stellen.
Für die Motivation ist wichtig: Der hohe Aufwand verteilt sich über Jahre und steckt vor allem in der Schrift. Der Einstieg ins Sprechen ist dank leichter Aussprache angenehm, und dieser frühe Erfolg trägt über die lange Strecke, wenn man ihn bewusst nutzt.
So gehst du die Schwierigkeit an
Weil die Schwierigkeit klar verortet ist, lässt sie sich gezielt angehen, statt an allem gleichzeitig zu arbeiten.
Beginne mit den Silbenschriften, bevor du irgendetwas anderes tust, und verwende danach keine lateinische Umschrift mehr. Sie ist eine Abkürzung, die dich später Monate kostet, weil sie eine falsche Aussprache und ein falsches Schriftbild einübt.
Baue die Kanji von Anfang an kontinuierlich auf, in kleinen Portionen mit einem Wiederholungssystem und im Zusammenhang echter Wörter statt in isolierten Listen. Und nimm für die Höflichkeitsstufen früh eine Lehrperson dazu, weil dir im Selbststudium niemand sagt, wenn du die falsche Ebene wählst, und Muttersprachler aus Rücksicht darüber hinwegsehen.