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Wie lange dauert es, Chinesisch zu lernen?

Chinesisch ist ein mehrjähriges Vorhaben, aber aus überraschenden Gründen: Die Grammatik ist einfach, die Zeit steckt in den Tönen und den Schriftzeichen.

Kurz beantwortet
  • Bis B2 sind für Deutschsprachige rund 1800 bis 2200 Lernstunden realistisch, etwa das Vierfache einer romanischen Sprache. Chinesisch gehört zu den aufwendigsten Sprachen.
  • Der Zeitaufwand liegt nicht in der Grammatik, die sehr einfach ist, sondern in den Tönen und in den Schriftzeichen, von denen es tausende gibt.
  • Bei einer Stunde täglich ist B2 ein Projekt von etwa fünf bis sechs Jahren. Wer nur sprechen will, kommt deutlich schneller voran.

Die Stunden bis zu jedem Niveau

Chinesisch, gemeint ist hier das Hochchinesische, gehört für Deutschsprachige zur höchsten Aufwandskategorie, vergleichbar mit Japanisch und Arabisch. Der Grund ist ungewöhnlich: nicht die Grammatik, die zu den einfachsten überhaupt zählt, sondern die Töne und die Zeichen. Als Richtwerte gelten grob.

  • Bis zu einfachen Alltagsgesprächen, grob A2: rund 400 bis 600 Stunden, wobei das Sprechen schneller kommt als das Lesen.
  • Bis B1, im Alltag durchkommen: rund 900 bis 1200 Stunden.
  • Bis B2, Diskussionen folgen und im Beruf bestehen: rund 1800 bis 2200 Stunden.
  • Bis zu einem schriftlich sicheren, hohen Niveau: deutlich darüber, weil die Zahl der beherrschten Zeichen ständig weiterwächst.

Warum die Töne Zeit brauchen

Der erste grosse Zeitfaktor sind die Töne. Im Hochchinesischen trägt die Tonhöhe Bedeutung: Dieselbe Silbe bedeutet je nach Tonverlauf etwas völlig anderes. Es gibt vier Töne plus einen neutralen, und sie sind kein Beiwerk, sondern Teil des Wortes.

Für Deutschsprachige ist das ungewohnt, weil im Deutschen die Tonhöhe nur die Betonung oder die Emotion ausdrückt, nicht die Wortbedeutung. Anfangs hört man die Unterschiede kaum und trifft sie beim Sprechen nicht, und beides braucht Übung von der ersten Stunde an.

Praktisch heisst das: Plane die Töne als eigenes Trainingsfeld ein und arbeite von Anfang an mit dem Ohr und mit Nachsprechen, am besten mit einer Lehrperson, die korrigiert. Wer die Töne früh vernachlässigt, verfestigt eine Aussprache, die später schwer zu korrigieren ist und das Verstanden-werden erschwert.

Warum die Zeichen Zeit brauchen

Der zweite grosse Zeitfaktor ist die Schrift. Chinesisch verwendet keine Buchstaben, sondern Zeichen, von denen jedes eine Bedeutung und eine Aussprache trägt. Für einen erwachsenen Lesestand braucht es mehrere tausend.

Anders als beim Japanischen gibt es nur ein Schriftsystem, aber die Zahl der Zeichen ist hoch, und sie werden über Jahre kontinuierlich aufgebaut. Immerhin folgen viele Zeichen einer inneren Logik aus wiederkehrenden Bausteinen, was das Lernen mit der Zeit erleichtert, weil man Muster erkennt.

Für den Einstieg hilft die Umschrift Pinyin, die die Aussprache mit lateinischen Buchstaben und Tonzeichen wiedergibt. Sie erlaubt frühes Sprechen, bevor man viele Zeichen kennt. Wer aber lesen und schreiben will, muss die Zeichen aufbauen, am besten mit einem Wiederholungssystem und im Zusammenhang echter Wörter.

Warum die Grammatik so leicht ist

Der überraschendste Teil des Chinesischen ist, wie einfach die Grammatik ist, und das hält im ersten Jahr die Motivation hoch, während man mit Tönen und Zeichen ringt.

Chinesische Verben werden nicht konjugiert. Es gibt keine Zeitformen im europäischen Sinn, keine Personalendungen, kein grammatisches Geschlecht, keinen Plural und keine Artikel. Die Zeit wird über kleine Zusatzwörter und den Zusammenhang ausgedrückt, nicht über die Verbform.

Das bedeutet: Sobald du die Töne und einen Grundwortschatz hast, kannst du erstaunlich schnell einfache, korrekte Sätze bilden, weil die Struktur so schlank ist. Diese Leichtigkeit der Grammatik ist der Grund, weshalb man Chinesisch früher sprechen als lesen kann.

Ein realistischer Fahrplan

Für die häufigste Ausgangslage, also berufliches oder kulturelles Interesse und das Ziel Verstehen und Konversation, funktioniert dieser Ablauf.

  • Monat 1 bis 3: Pinyin und die Töne, von Anfang an mit dem Ohr und mit einer korrigierenden Lehrperson. Das ist die Grundlage von allem.
  • Ab Monat 2: Grundwortschatz und die einfache Grammatik, die schnell zu Sätzen führt.
  • Ab Monat 4: die Zeichen systematisch beginnen, mit einem Wiederholungssystem und im Zusammenhang echter Wörter.
  • Ab Monat 12: echte Inhalte in Menge und die Zeichen kontinuierlich ausbauen, ein Aufbau, der über Jahre läuft.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, Chinesisch fliessend zu lernen?
Fliessend im Sinne von B2 entspricht rund 1800 bis 2200 Stunden, bei einer Stunde täglich etwa fünf bis sechs Jahre. Einfache Gespräche gelingen früher, weil die Grammatik einfach ist. Die grossen Zeitfaktoren sind die Töne und die tausenden Schriftzeichen, nicht die Satzbildung.
Warum ist Chinesisch so schwer?
Wegen zweier Dinge: der Töne, bei denen die Tonhöhe die Wortbedeutung ändert, und der Schriftzeichen, von denen es für einen erwachsenen Lesestand mehrere tausend gibt. Die Grammatik dagegen ist eine der einfachsten überhaupt, ohne Konjugation, Geschlecht, Plural oder Artikel.
Muss ich chinesische Schriftzeichen lernen?
Zum Sprechen eine Zeit lang nicht, weil die Umschrift Pinyin den Einstieg erlaubt. Für Lesen und Schreiben und einen erwachsenen Umgang mit der Sprache sind die Zeichen aber unverzichtbar. Sie sind neben den Tönen der grösste Zeitfaktor und werden über Jahre aufgebaut.
Sind chinesische Töne wirklich so schwer?
Sie sind ungewohnt, weil im Deutschen die Tonhöhe die Bedeutung nicht ändert. Anfangs hört und trifft man die vier Töne kaum. Mit Training vom ersten Tag an, viel Hören und einer korrigierenden Lehrperson werden sie beherrschbar. Wer sie früh vernachlässigt, verfestigt Fehler, die später schwer zu korrigieren sind.
Kann man Chinesisch in einem Jahr lernen?
Bis zu einfachen Gesprächen ja, weil die Grammatik einfach ist, bis zu einem fliessenden, schriftlich sicheren Niveau nicht. In einem Jahr intensiven Lernens erreicht man solide mündliche Grundlagen und die Töne. Ein grosser Zeichenschatz ist ein mehrjähriges Projekt.
Ist Chinesisch schwerer als Japanisch?
Beide liegen in der höchsten Aufwandskategorie, die Schwierigkeit verteilt sich nur anders. Chinesisch hat Töne und ein Schriftsystem, aber eine sehr einfache Grammatik. Japanisch hat keine Töne, dafür drei Schriftsysteme und Höflichkeitsstufen. Insgesamt sind sie vergleichbar aufwendig.
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